Ein schweres Polytrauma, eine Subarachnoidalblutung oder eine schwere Sepsis müssen intensivmedizinisch behandelt werden und erfordern häufig eine längere Sedierung. Wenn ein Patient dann über mehrere Tage oder Wochen auf einer Intensivstation liegt und für Außenstehende nicht bewusst reagieren kann, verliert er vorübergehend seine Selbstbestimmtheit sowie das Gefühl, bewusst mit seiner Umwelt in Kontakt zu sein.

Intensivtagebücher können in einer derartigen Situation eine wertvolle Unterstützung sein. In den Tagebüchern, die am Bett des Patienten liegen, halten Pflegekräfte, Angehörige und Freunde fest, was von Tag zu Tag geschieht. Welche Fortschritte der Patient macht, welche Untersuchungen und Behandlungen nötig sind, wer zu Besuch kommt und wie das Leben außerhalb des Krankenhauses weitergeht. Die Tagebücher sollen den Patienten einen chronologischen Eindruck von der Zeit zurückgeben, die sie oft als verloren gegangen empfinden. Und können so helfen, die Lücke zu schließen, die sich in ihrem Leben aufgetan hat. Gleichzeitig geben sie einen Einblick in die Empfindungen aller Begleitenden.

Auszüge aus den sehr persönlichen Aufzeichnungen trägt eine (Foto)-Dokumentation erstmals zusammen. Acht ehemalige Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen aus Thüringen wurden nach dem Aufenthalt auf einer der Intensivstationen der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena ab 2018 von der Psychologin Teresa Deffner und der Fotografin Sibylle Kölmel über ein Jahr lang begleitet.

Von den ehemaligen Patienten und ihren Angehörigen ausgewählte Seiten der Tagebücher bilden zusammen mit Fotografien aus der jüngeren Zeit ein visuelles Moment von Hoffnung, Zuversicht und (langsamer) Genesung. Die Ausstellung zeigt zudem Ausschnitte aus Intensivtagebüchern verstorbener Patienten und gewährt damit Einblicke in die Wege der Hinterbliebenen. Ein Intensivtagebuch kann auch eine Hilfe für die Trauerarbeit sein.

Ziel der Ausstellung ist es, den besonderen Wert einer einfachen Methode, das Schreiben eines Tagebuches, für die seelische Gesundheit der Patienten und Angehörigen zu zeigen.